Schlafstörungen in der Grundschule

von Hagen Böser

Im Deutschen Ärzteblatt haben Lehmkuhl et. al. einen Artikel zum Thema: "Schlafstörungen im Einschulalter - Ursachen und Auswirkungen" veröffentlicht. Dtsch Artzebl 2008: 105(47): 809-14.

Schlafprobleme sind ein häufiges Problem im Grundschulalter. Bei Kindern mit Schlafproblemen sind häufig weitere psychische, soziale und medizinische Risiken zu erwarten. Häufig ist es ein vorübergehendes und entwicklungbedingtes Phänomen, aber bei 5 bis 10% der Kinder handelt  es sich um eine ausgeprägte Störung, die mit verschieden Belastungsfaktoren und weiteren Verhaltensauffälligkeiten zusammenhängen kann.

Aus diesem Grund sollten Systemische Schulcoachs und alle anderen, die mit diesen Kindern arbeiten, aufmerksam werden, wenn Grundschüler über Schlafprobleme klagen. Es kann zu allabendlichen Konfliktsituationen kommen, die Kinder können morgens Schwierigkeiten beim Aufstehen haben und unter Tagesmüdigkeit leiden. Sie können gereizt und unruhig sein. Das Thema wird von Eltern oft nicht bewusst thematisiert und sollte vom Schulcoach gezielt nachgefragt werden. "Wie und wann schläft ihr Kind?" reicht schon für ein erstes Screening.

Epidemiologische und schulbasierte Studien belegen, dass exzessive Tagesmüdigkeit bei circa 10% der Schulkinder für relevante Leistungsschwierigkeiten und Verhaltensprobleme verantwortlich sind.

Aer Artikel trifft die folgenden klinischen Kernaussagen:

  • Kinder mit Einschlafproblemen haben ein erhöhtes Risiko für Tagesmüdigkeit und berichten häufiger über eine eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit.
  • Insbesondere Licht- und Lärmbelästigungen wirken sich auf die Einschlafstörung negativ aus, familiärer Stress führt vermehrt zu Ein- und Durchschlafproblemen.
  • Sowohl bei den Ein- als auch bei den Durchschlafstörungen treten häufig emotionale Auffälligkeiten und hyperaktive Störungen auf.
  • Da Schlafprobleme häufig nicht der primäre Anlass zur Vorstellung in der Praxis sind, sollten sie routinemäßig erfasst werden, um mögliche Komorbiditäten und psychosoziale Risiko- und Belastungsfaktoren nicht zu übersehen.

Nun kommt dieser Artikel aus dem störungsspezifischen Denken des Deutschen Ärzteblattes und beim Wort "Ursachen" zuckt man als Systemiker. Aber dieses Wissen kann helfen, im konkreten Arbeiten eine Wachsamkeit für ein mögliches Problem zu entwickeln, das vom Familiensystem als unwichtiges Problem gewertet wird und so im Setting eines Systemischen Schulcoaches oder eines Familientherapeuten nicht genannt wird.

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